Fontanes Medien

von Anna Busch

 (öffnet Vergrößerung des Bildes)Bild: TFA

Mit fast 2kg Gesamtgewicht, 672 Seiten und 147 Abbildungen liegt ab dem 21. November 2022 das neue Standardwerk zu Fontanes Medien vor. Herausgegeben von Peer Trilcke im Auftrag des Theodor-Fontane-Archivs, umfasst es 36 Beiträge und Aufsätze, die dank der Förderung durch Mittel des Publikationsfonds für Open-Access-Monografien des Landes Brandenburg im Netz frei zugänglich gemacht werden können.

Der Band stützt sich auf Überlegungen des Internationalen Kongresses Fontanes Medien (1819–2019), der als Höhepunkt des wissenschaftlichen Programms im Fontane-Jahr fontane.200 im Juni 2019 an der Universität Potsdam unter Koordination des Theodor-Fontane-Archivs stattfand. Literatur- und Medienwissenschaftler*innen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, England, Schweden, Russland und den USA nahmen teil und haben zum Gelingen des Sammelbandes beigetragen.

 

Bild: de Gruyter

Peer Trilcke (Hg.)
Fontanes Medien
herausgegeben im Auftrag des Theodor-Fontane-Archivs

De Gruyter
Berlin/Bosten 2023
672 S., 147 Abb., 99,95€
ISBN: 9783110738100
ISBN (eBook): 9783110733235

Gemeinsam begreifen die Beiträgerinnen und Beiträger die rasante Medialisierung der Gesellschaft im 19. Jahrhundert als produktive Voraussetzung der facettenreichen Autorschaft Theodor Fontanes. Eingebettet in ein verzweigtes Netz der postalischen Textzirkulation, vertraut mit der periodischen Massenpresse, für die Fontane sein Leben lang schrieb, und auf vielfältige Weise geprägt von den Medienkulturen seiner Zeit wird er als journalistisch-ästhetischer Grenzgänger erkennbar.

Fontane zeigt sich dabei als Medienarbeiter im modernen Sinne: Während seiner Jahre als Korrespondent in London lernte er die innovativste Presselandschaft seiner Zeit kennen; als Redakteur in Berlin leistete er journalistische Kärrnerarbeit, schrieb Kritiken über das Theater, die bildende Kunst und die Literatur. Auch seine Romane und Reisebücher erweisen sich vor diesem Hintergrund als Medienprodukte: verfasst zunächst für Zeitschriften und Zeitungen, in Serie erscheinend und durchwirkt von den Nachrichtenströmen und den Bilderwelten der anbrechenden Moderne.

Inhalt

Peer Trilcke: „Die Spatzen quirilierten auf den Telegraphendrähten“. Vorwort  

Prolog

Rolf Parr: Theodor Fontane – kommunizieren, produzieren und publizieren in vernetzten Medien

I. Korrespondentenjahre

Iwan-Michelangelo D’Aprile: Propaganda und Poetologie. Fontanes Korrespondenzen im Spannungsfeld von offiziösem Journalismus und literarischem Realismusprogramm
Hans-Christof Kraus: Londoner Realpolitik aus deutscher Perspektive. Fontane, Bucher und Marx als politische Korrespondenten
Clarissa Blomqvist: Fontanes Zeitungssprache
Petra S. McGillen: An den Grenzen des modernen Journalismus. Fontanes „unechte Korrespondenzen“ als boundary-work

II. Kritikerjahre
Carmen Aus der Au: Dialogizität in Fontanes Kunstkritiken
Alexander Robert Phillips: Kunst, Kritik und Zeitungseilfertigkeit
Debora Helmer: „Es muß eine Stelle da sein, wo man das befreiende, das erhebende Wort zu hören vermag“. Zur Funktion des Theaters in Fontanes Theaterkritiken
Rüdiger Singer:  „Sie spielt Kaulbach“. Fontanes Beschreibungen von Schauspielkunst

Interludium
Rüdiger Görner:  „Nun ‚alter Musikant‘ geworden, / Zieh ich umher mit meinem Spiel“. Theodor Fontane und das Musikalische

III. Soziale Medien, Egomedien
Roland Berbig:    Der „Tunnel über der Spree“ als Medium und mediale Instanz. Mit einem Seitenblick auf Fontanes Ära
Dirk Rose:    „Auf die Redaktion“. Medienarchiv und Medienreflexion in Fontanes Tagebüchern
Kerstin Wilhelms:   Fontanes Salons. Automedialität, Autofiktionalität und die Poetik sozialer Vernetzung in Meine Kinderjahre, Von Zwanzig bis Dreißig und Schach von Wuthenow

IV. Journal-Romane
Marcus Krause: In Verteidigung der Gesellschaft? Zur Bildpolitik in Fontanes Vor dem Sturm und dem ‚deutschen Familienblatt‘ Daheim
Christine Hehle: Erzählerische Topoi in Effi Briest und Unsühnbar. Theodor Fontane und Marie von Ebner-Eschenbach in der Deutschen Rundschau
Daniela Gretz: Medieneffekte und -reflexionen im Erstdruck von Theodor Fontanes Stechlin in Über Land und Meer

Display: Fontane
Heike Gfrereis: Intervention: „Out-of-the-way-Literatur“ oder wie man Fontanes „Mache“ in eine Ausstellung übersetzen kann – and into ‚English‘
Nicola Lepp / Franziska Morlok: „Warum eigentlich Fontane“. Ein forschendes Lehrprojekt an der FH Potsdam

V. Mediales Erzählen
Gideon Haut: Voyeuristische Blicke in Fontanes Kriminalnovellen. Wegschauen als Selbstzensur und poetische Antwort auf die Medienkultur des späten 19. Jahrhunderts
Thomas Brechenmacher: Fontanes jüdische Namen. Preziosa und Certifikate, Diskurse und Konnotationen
Isabelle Stauffer: Resonanzräume für Begehren und Körperlichkeit. Mediale Funktionen von bildender Kunst und Musik in Fontanes Romanen L’Adultera und Cécile
John B. Lyon: “Anzeigen,” Supplementarity, and Modernity in Fontane
Vera Bachmann: Medium See – Medium Roman. Das Schweigen des Stechlin

VI. Memorialmedien
Michael Ewert: Vom journalistischen Schreiben zur Erinnerungsliteratur. Fontanes Spreewald-Texte
Nikolas Immer: Sehenswürdigkeiten im Okkupationsgebiet. Historische Bauwerke als Medien der Kommunikation und Reflexion
Ulrike Vedder: Fontanes Museologie

VII. Bildprogramme
Hubertus Fischer: Theodor Fontane, Anton von Werner und die „Farbenklexerwelt“. Kunst- und Gunstkonkurrenz
Sabina Becker: Der „photographische Apparat in Aug und Seele“. Theodor Fontane und die Daguerreotypie
Christoph Wegmann: Die Bildspur. Bildprofile und Bildhandeln in Theodor Fontanes Romanen  
Klaus-Peter Möller: In der Ruhmeshalle der deutschen Literatur. Das Porträt des Autors und die Medien

VIII. Medien der Rezeption
Ulrike Schneider: Theodor Fontane innerhalb der deutsch-jüdischen Zeitschriftenlandschaft. Rezeptionslinien und -strategien
Alexander Waszynski: Poetotopologie. Theodor Fontanes Wanderungen in einem Rundfunkvortrag Walter Benjamins
Michael Wedel: Vor dem Volkssturm. Fontane-Verfilmungen 1944/45
David Brehm: Kulturpoetik der Neuausgabe: Irrungen, Wirrungen um 1950

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