Pressemitteilung06.03.2019

Das Archiv im Netz

Hunderte Seiten Fontane-Handschriften und das wichtigste Hilfsmittel der Fontane-Forschung sind fortan im Netz verfügbar

Mit der Veröffentlichung der vollständig neu entwickelten, um Archivportal-Funktionen erweiterten Webpräsenz hat das Theodor-Fontane-Archiv der Universität Potsdam am 7. März 2019 pünktlich zum Fontane-Jahr eine erste Phase seiner Digitalstrategie abgeschlossen. Auf dem Archivportal stellt das Theodor-Fontane-Archiv über 16.000 Datensätze zur Literatur von und über Fontane sowie mehr als 400 Seiten Fontane-Handschriften und -Dokumente – darunter ein Tagebuch, ein Haushaltsbuch der Familie Fontane und einen Teil des Manuskripts zu »Der Stechlin« – der Forschung und der Öffentlichkeit zur Nutzung bereit.

Porträt von Fontane, digital verfremdet
Fontane digital

Mit dem Launch eines in Zusammenarbeit mit der Berliner Webagentur Cosmoblonde, dem Trier Center for Digital Humanities und dem Netzwerk für Digitale Geisteswissenschaften der Universität Potsdam entwickelten Webportals www.fontanearchiv.de hat das Theodor-Fontane-Archiv am 7. März 2019 eine erste Phase seiner seit dem Amtsantritt des neuen Archivleiters Prof. Dr. Peer Trilcke im April 2017 forcierten Digitalstrategie abgeschlossen.

Pünktlich zum Jubiläumsjahr anlässlich des 200. Geburtstags Theodor Fontanes informiert das Webportal nicht nur umfassend über die Aktivitäten des Theodor-Fontane-Archivs als Literaturarchiv, Forschungsinstitut und Kultureinrichtung. Es bietet der literaturwissenschaftlichen Forschung wie der kulturell interessierten Öffentlichkeit darüber hinaus freien Zugang zu einer der wichtigsten Datensammlungen der Fontane-Forschung, der Theodor Fontane Bibliographie von Wolfgang Rasch, und zu einer ersten Auswahl von digitalisierten Handschriften und Dokumenten aus den Beständen des Archivs.

»Im Zuge der Digitalisierung haben Archive eine doppelte Natur ausgebildet: Neben das materielle Archiv – bestehend aus handfesten Artefakten wie Handschriften, Drucken, Objekten usw. – ist ein digitales Archiv aus Daten, Digitalisaten, Bildern getreten«, sagt Archivleiter Peer Trilcke. »Dieses digitale Archiv wollen wir mit unserer Digitalstrategie für die Öffentlichkeit erfahr- und nutzbar machen. Das ist unsere Aufgabe als Einrichtung, die ein wichtiges Kulturerbe nicht nur der brandenburgischen, sondern der deutschen Literatur bewahrt, pflegt und vermittelt.«

Über 16.000 Publikationen recherchierbar

Zentraler Bestandteil des neuen Webportals sind die digitalen Angebote. Hier ist es dem interdisziplinären Team am Theodor-Fontane-Archiv gelungen, eines der wichtigsten Hilfs- und Recherchemittel der Fontane-Forschung frei im Netz verfügbar zu machen: Die von Wolfgang Rasch am Archiv erarbeitete, 2006 im De Gruyter-Verlag in drei gewichtigen Bänden veröffentlichte Theodor Fontane Bibliographie wurde aktualisiert, um über 2.000 Einträge erweitert und in Form einer mit umfassenden Recherchemöglichkeiten ausgestatteten Datenbank auf dem neuen Webportal des Archivs publiziert. Die Theodor Fontane Bibliographie online verzeichnet sämtliche Literatur von Theodor Fontane sowie einen Großteil der Forschungsliteratur und ausgewählte Rezeptionsdokumente. Die vom Theodor-Fontane-Archiv nun veröffentlichte Datenbank zählt insgesamt über 16.000 Einträge. »Für die Fontane-Forschung ist damit ein Meilenstein erreicht«, so Dr. Anna Busch, die für die digitalen Projekte des Archivs verantwortliche Mitarbeiterin. »Bisher war der Zugang zu dem Informationsschatz, der in der von Wolfgang Rasch erarbeiteten Bibliographie steckt, erschwert, gerade auch für die internationale Forschung. Die gedruckten Bände sind teuer und keineswegs in jeder Bibliothek verfügbar. Fortan kann auf unserem Webportal jeder, ob nun im brandenburgischen Neuruppin oder im fernen Neuseeland, auf diesen Schatz zurückgreifen.«

Und richtige Menschen sind die, die sich um mehr als ihren Maulwurfshügel kümmern.

»Der Stechlin«, Entwurf des Schlusskapitels, Signatur: TFA V I, 19, Bl. 17v
Bild: TFA
Seite aus dem Manuskript zu »Der Stechlin«

Neue Möglichkeiten für die Forschung bietet auch die mit dem Start des Webportals eröffnete Digitale Handschriftensammlung des Theodor-Fontane-Archivs. Mit diesem digitalen Angebot startet das Archiv einen Prozess, an dessen Ende sämtliche seiner Handschriften und Dokumente von und zu Fontane im Internet zugänglich sein sollen. »Wir fangen gerade erst an«, sagt Dr. Sabine Seifert, die für das Forschungsdatenmanagement zuständige Mitarbeiterin des Archivs. »Zwar haben wir jedes Blatt, das wir in unseren Magazinen verwahren, bereits digitalisiert, zunächst vor allem, um diese wertvollen und sensiblen Objekte zu schützen. Bisher aber konnten die Nutzerinnen und Nutzer nur bei uns vor Ort mit diesen Digitalisaten arbeiten.« »Die mehr als 400 Seiten, die wir nun in unserer Digitalen Handschriftensammlung veröffentlicht haben, sind ein erster Schritt auf dem Weg, alle unsere digitalen Schätze frei verfügbar ins Netz zu bringen«, sagt Archivleiter Peer Trilcke: »Wir folgen hier der Idee des Open Cultural Heritage, des offenen Kulturerbes.« Mit der ersten Veröffentlichung in der Digitalen Handschriftensammlung stellt das Theodor-Fontane-Archiv dabei auch einige besondere Objekte ins Netz: Zu entdecken sind etwa eines der drei noch überlieferten Tagebücher Fontanes, eines der Haushaltsbücher der Familie Fontane, geführt von Fontanes Ehefrau Emilie, ein Zeugnis seiner Apothekerausbildung und das Manuskript zum letzten Kapitel seines großen Altersromans »Der Stechlin«. »In diesem Manuskript«, so Trilcke, »taucht die wunderbare Sentenz auf: ›Und richtige Menschen sind die, die sich um mehr als ihren Maulwurfshügel kümmern.‹ Das ist ein humorvolles Plädoyer für die Weitsichtigkeit und gegen die Engstirnigkeit – und ein Statement dafür, sich um seine (Um-)Welt zu kümmern, ein Statement also für Humanität, Toleranz und Rücksicht. Das Archiv nimmt dies als Auftrag mit ins Fontane-Jahr 2019.«

Bereits in diesem Fontane-Jubiläumsjahr wird das Theodor-Fontane-Archiv weitere Projekte seiner Digitalstrategie umsetzen. Für Ende März ist die Veröffentlichung einer interaktiven Visualisierung der Handbibliothek Fontanes geplant, die in Zusammenarbeit mit einem Team um Prof. Dr. Marian Dörk vom UCLab der FH Potsdam entwickelt wurde. Der Launch dieser Webanwendung wird anlässlich eines Vortrags auf der DHd2019, der 6. Jahrestagung der Digital Humanities im deutschsprachigen Raum in Mainz und Frankfurt a.M., erfolgen. Im Rahmen des vom Theodor-Fontane-Archiv an der Universität Potsdam im Juni 2019 veranstalteten internationalen Kongresses »Fontanes Medien (1819–2019)« werden darüber hinaus, in Kooperation mit der UB Potsdam und der Theodor Fontane Gesellschaft e.V., die ersten 50 Jahrgänge der seit 1965 erscheinenden wissenschaftlichen Zeitschrift Fontane Blätter als Open Access-Publikation veröffentlicht. Im neu gegründeten TFA.lab, dem geisteswissenschaftlichen Labor des Theodor-Fontane-Archivs, wird das Werk Fontanes zudem mit digitalen Methoden algorithmisch erforscht. »Gemeinsam mit unseren Partnerinnen und Partnern im Netzwerk für Digitale Geisteswissenschaften an der Universität Potsdam wollen wir ausloten, welche Potenziale die Digitalisierung – auch die Digitalisierung der geisteswissenschaftlichen Methoden – für die Erforschung von Literatur birgt«, sagt Archivleiter Peer Trilcke.

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Rainer Falk

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Rainer Falk