»In der Informationsüberflutung, der die Menschen seit einer Generation ausgesetzt sind, rücken die historischen Persönlichkeiten oft an den Rand der Erinnerung.« So formulierte es »Deutschlands bekanntester Bibliothekar« Paul Raabe in seiner Bestandsaufnahme der national bedeutsamen Kultureinrichtungen in den neuen Bundesländern. Auf Geheiß des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) publizierte Paul Raabe 2001 die Ergebnisse seiner Bemühungen im Blaubuch, in dem auch die wichtigsten, von ihm sogenannten »Personenmuseen« erfasst wurden. Raabe betonte den »unverwechselbaren Charakter« dieser „Gedächtnisorte«: Jeder einzelne sei »für den Besucher ein eigenes Erlebnis«.
Das 25-jährige Jubiläum des Blaubuchs nehmen die seither als »Kulturelle Gedächtnisorte« (KGO) zusammengeschlossenen 22 Einrichtungen zum Anlass, um die Entwicklung ihres spezifischen Museumstypus zu erkunden. Dabei wollen die KGO nach der zukünftigen Orientierung der Personalmuseen fragen – in einer Zeit, in der die Informationsüberflutung und die damit einhergehende Kurzlebigkeit von Erinnerungen Dimensionen erreicht haben, die 2001 noch unvorstellbar schienen.
Unter dem Titel Quo vadis, Personalmuseum? sollen diese Themen im Rahmen einer zweitägigen Fachtagung im Mendelssohn-Haus Leipzig mit Referentinnen und Referenten aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen kritisch erörtert werden. Angesichts der Tatsache, dass das letzte Standardwerk, Franz Rudolf Zankls Das Personalmuseum 1975 erschienen ist, verdient der Museumstypus, zu dem nicht nur die Häuser der KGO gehören, neue wissenschaftliche Blickwinkel und Impulse aus der Museumspraxis.
Die Tagung ist öffentlich, der Eintritt frei.
Montag, 14. September 2026
14.00 Uhr
Dr. Sylke Kaufmann (Sprecherin der KGO, Lessing-Museum, Kamenz) / Patrick Schmeing (Mendelssohn-Haus Leipzig): Begrüßung
Rainer Falk (Theodor-Fontane-Archiv, Potsdam) / Anke Pätsch (Stiftung Kleist-Museum, Frankfurt) / Dr. Magdalena Schulz-Ohm (Ernst Barlach Stiftung, Güstrow): Einführung
14.25 Uhr 1. Sektion: Wie wir wurden, was wir sind
Rainer Falk (Theodor-Fontane-Archiv, Potsdam): Einführung
14.30 Uhr Prof. Dr. Heike Gfrereis (Deutsches Literaturarchiv Marbach): Zwischen den Stühlen: Die Literatur statt den Autor ausstellen
15.15 Uhr Dr. Paul Kahl (Erfurt): Dichterhäuser, Künstlerhäuser. Geschichte eines Museumstypus
16.00 Uhr Kaffeepause
16.30 Uhr Kathrin Grotz (Institut für Museumsforschung, Berlin): Wenn Ort, Person und Werk zu Objekten der Zuwendung werden. Überlegungen zum Personalmuseum als Museumstyp in Deutschland und im internationalen Vergleich
17.15 Uhr Dr. Ute Pott (Gleimhaus, Halberstadt) / Dr. Stefan Rhein (ehem. LutherMuseen, Wittenberg) / Gottfried Haufe (Moderation; Potsdam): Podiumsgespräch: 25 Jahre KGO. (Zwischen-)Bilanz
18.15 Uhr Abendimbiss
19.30 Uhr Dr. Angela Steidele (Köln): Abschied vom großen Mann. Warum sich Biographien, Biopics & Co leichter tun als Museen
Dienstag, 15. September 2026
09.00 Uhr Cornelia Thierbach (Mendelssohn-Haus Leipzig): Führung durch das Mendelssohn-Haus Leipzig
10.00 Uhr 2. Sektion: Vom Personalmuseum zur Welt
Dr. Magdalena Schulz-Ohm (Ernst Barlach Stiftung, Güstrow): Einführung
10.05 Uhr Kurzvorstellungen zweier »Personenwelten« mit anschließender Podiumsdiskussion
Jan Sauerwald / Ute Lilly Mohnberg (GRIMMWELT Kassel): Die GRIMMWELT Kassel
Dr. Jörg Albrecht / Jenni Bohn (Burg Hülshoff – Center for Literature): Burg Hülshoff und die Droste-Welten
11.00 Uhr Kaffeepause
11.30 Uhr 3. Sektion: Aus den Personalmuseen. Bad and Best Practice
Anke Pätsch (Stiftung Kleist-Museum, Frankfurt): Einführung
Sechs Kurzpräsentationen mit anschließender Diskussion:
Dr. Franziska Müller (Stadtmuseum Dresden, Museen der Stadt Dresden): Kleine Häuser für große Menschen. Dichter-, Maler- und Musikermuseen der Stadt Dresden
Ute Blumeyer (Brahmshaus Baden-Baden): Vom Erinnerungsort zum Begegnungsort: Erfahrungen aus dem Brahmshaus Baden-Baden
Dr. Lis Christin Hansen (Klassik Stiftung Weimar): Literatur und Futures Literacy im Dichterhaus. MACH MIT! Tour Backstage bei Schiller – Leben, Literatur, Erinnerungskultur
Dr. Anna Fliri (Lehmbruck Museum, Duisburg): Das offene Erbe. Diskurs und Outreach im Lehmbruck Museum
Dr. Milena Rolka (Stiftung Kleist-Museum, Frankfurt): Wen oder was stellen wir aus, wenn wir Kleist ausstellen? Zur neuen Dauerausstellung des Kleist-Museums in Frankfurt (Oder)
Dr. Thomas Synofzik (Robert-Schumann-Haus Zwickau): Robert und Clara Schumann in Mixed Reality – Neue museale Vermittlungsformen für ein Künstlerpaar
13.00 Uhr Abschlussdiskussion
- Veranstaltungsort
-
Mendelssohn-Haus Leipzig
Goldschmidtstraße 12
04103 Leipzig - Zeit
-
14.09.2026, 14 bis ca. 21 Uhr
15.09.2026, 9 bis ca. 14 Uhr
- Eintritt
-
frei
Aus organisatorischen Gründen bitten wir um Anmeldung.
Gefördert durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien


