Digitalstrategie

Als Literaturarchiv wie als Forschungseinrichtung sieht sich das Theodor-Fontane-Archiv durch die digitale Transformation herausgefordert: Die weitgehend abgeschlossene Digitalisierung der Handschriften- und der historischen Buchbestände und die digitale Haltung wie Pflege von Erschließungs- und Forschungsdaten haben das Fontane-Archiv um ein zweites, digitales Archiv erweitert; das World Wide Web und seine Interaktionsmöglichkeiten eröffnen neue Szenarien für die Präsentation und für die Nutzung kulturell bedeutender Sammlungen; und mit den ›Digitalen Geisteswissenschaften‹ (Digital Humanities) haben sich Methoden etabliert, die algorithmenbasierte Perspektiven auf das literarische Kulturerbe ermöglichen. Schließlich sehen sich Kulturerbe-Einrichtungen wie das Fontane-Archiv mit grundsätzlichen Fragen konfrontiert – Fragen etwa nach dem Status des Originals im Zeitalter der digitalen Kopierbarkeit oder nach potenziell neuen Formen des kulturellen Gedächtnisses, die in digital vernetzten Archiven entstehen könnten. Um diesen aktuellen Fragen an Kulturerbe-Einrichtungen zu begegnen und sich den Herausforderungen zu stellen, hat das Fontane-Archiv seit dem Frühjahr 2017 eine langfristige Digitalstrategie (TFA DIGITAL) erarbeitet, die schrittweise umgesetzt wird: in Form von Forschungsprojekten oder innovativen Veranstaltungsformaten wie Hackathons, insbesondere aber auch in Form der digitalen Infrastrukturentwicklung. Die erste, im Folgenden skizzierte Phase dieser Digitalstrategie soll Ende 2019 abgeschlossen sein. (Abb. Experimentelle Visualisierung sämtlicher
Handschriften-Datensätze des Theodor-Fontane-Archivs
)

Neuentwicklung der Website

An die Seite des realweltlichen Archiv-Gebäudes tritt im digitalen Zeitalter die Online-Präsenz eines Archivs: als digitale Schnittstelle zu den Nutzer*innen. Nach einer Vorbereitungsphase, in der in Zusammenarbeit mit dem ›Trier Center for Digital Humanities‹ die digitale Datenhaltung des Archivs modernisiert wurde, entwickelt das Fontane-Archiv derzeit gemeinsam mit der Berliner Webagentur ›cosmoblonde‹ einen vollständig neuen Webauftritt, der nicht nur als Informations- und Kommunikationsplattform dienen soll, sondern auch sukzessive die bereits jetzt vollständig digitalisierten Handschriftenbestände des Fontane-Archivs präsentieren wird. Der Launch von ersten Komponenten des Webauftritts ist für das zweite Quartal 2019 geplant. (Abb. Netzwerkvisualisierung von ›Effi Briest‹)

Fontane Bibliographie digital

Auf über 2.800 Seiten versammelt die am Fontane-Archiv entstandene, 2006 erschienene ›Theodor Fontane Bibliographie‹ von Wolfgang Rasch nahezu sämtliche Literatur von und zu Theodor Fontane. Dieses essentielle Hilfs- und Recherchemittel der Fontane-Forschung wird derzeit aktualisiert, als Datenbank eingerichtet und für die Online-Nutzung vorbereitet. Die ›Fontane Bibliographie digital‹ wird mit dem Launch des neuen Webauftritts des Fontane-Archivs im nächsten Jahr als freier Service für die Forschung und die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

 

Fontane Blätter digital

Seit 1965 gibt das Fontane-Archiv die wissenschaftliche Halbjahresschrift Fontane Blätter heraus, eines der wichtigsten Publikationsorgane der Fontane-Forschung. Gemeinsam mit der Universitätsbibliothek Potsdam und der Theodor Fontane Gesellschaft e.V. werden derzeit die ersten 50 Jahrgänge, also 100 Hefte, dieser Zeitschrift digitalisiert. Im Fontanejahr 2019 wird diese Ressource der Fontane-Forschung auf dem Portal ›Digitales Brandenburg‹ kostenfrei und nach Maßgabe des Open Access für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

 

Fontanes Handbibliothek digital

Als Spezial-Sammlung von besonderer Bedeutung bewahrt das Fontane-Archiv nahezu die gesamte überlieferte Handbibliothek Theodor Fontanes, bestehend aus ca. 150 Bänden aus Fontanes Besitz, in denen er u.a. handschriftliche Lesespuren hinterlassen hat. Diese Sammlung wurde 2017 und 2018 vollständig digitalisiert. In einem Forschungsprojekt mit der Professur für Informationsvisualisierung der Fachhochschule Potsdam wird derzeit ein webbasierter Prototyp entwickelt, der in Form einer interaktiven Visualisierung innovative Wege der Exploration und Recherche in dieser Sammlung ermöglicht. Der Prototyp soll im ersten Quartal 2019 veröffentlicht werden

Forschungsschwerpunkt ›Digitale Geisteswissenschaften‹

Seit einigen Jahren erweitern die Geisteswissenschaften ihr Methodenrepertoire um die computergestützte Analyse kultureller Artefakte. Im Zuge seiner Digitalstrategie baut das Fontane-Archiv derzeit einen Forschungsschwerpunkt im Feld dieser ›Digitalen Geisteswissenschaften‹ auf. Neben der digitalen, zumeist quantitativen Analyse der Werke und Schriften Fontanes in deren zeithistorischen Kontexten widmet es sich dabei der allgemeinen Reflexion auf die ›Digitalen Geisteswissenschaften‹, mit besonderem Fokus auf die Effekte der Digitalisierung für das kulturelle Gedächtnis. Mit der Reihe Potsdamer Arbeitstreffen zur digitalen Literaturwissenschaft oder dem philologischen Hackathon Der Fontane-Code konzipiert und organisiert das Fontane-Archiv wissenschaftliche Veranstaltungen in diesem Feld. Federführend ist es an der Forschungsinitiative Netzwerk Digitale Geisteswissenschaften der Universität Potsdam beteiligt; innerhalb dieses Netzwerks bereitet das TFA derzeit die Einrichtung eines geisteswissenschaftlichen Labors vor (das TFA LAB). (Abb. Visualisierung des Briefnetzwerks Theodor Fontanes)