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Blogbeitrag18.12.2025

60 Jahre »Fontane Blätter«

Ein Glückwunsch zum Geburtstag

von Maria Brosig

Nachdem das Theodor-Fontane-Archiv in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag feiern konnte, darf ein mit ihm verbundenes, jüngeres Jubiläum nicht vergessen werden: Die Fontane Blätter, zentrales Organ der Fontane-Forschung und seit 1994 gemeinsam von Theodor-Fontane-Archiv und Theodor Fontane Gesellschaft e. V. herausgegeben, erscheinen 2025 schon 60 Jahre lang! – Anlass genug für einen Blick zurück, zu den Anfängen und ins erste Heft des Jahres 1965.

Initiatoren der Halbjahresschrift waren Joachim Schobeß, seit 1950 Leiter des Fontane-Archivs in der Brandenburgischen Landes- und Hochschulbibliothek, sowie ein kleiner, seit 1963 mit dem Archiv verbundener Freundeskreis Theodor Fontane aus Fontane-Interessierten. Ganz im Geist der Fontane-Renaissance der 1960er-Jahre, plante dieser ab 1964 die Herausgabe eines Fontane gewidmeten Periodikums mit dem Ziel, »neue Freunde des Werkes des Dichters [zu] gewinnen und in enger Zusammenarbeit mit dem Theodor-Fontane-Archiv die Verbindungen zu Forschern und Freunden Fontanes im In- und Ausland her[zu]stellen bzw. [zu] festigen.«

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In der Nr. 1 der »Fontane Blätter« 1965 stellt sich der »Kreis der Freunde Theodor Fontanes« vor und ruft zur Mitarbeit an den »Fontane Blättern« auf. In: FBl. 1 (1965), S. 14 f.
 (öffnet Vergrößerung des Bildes)Bild: Herbert Dörries / TFA
Auf dem Festakt zum 30-jährigen Archivjubiläum am 18. Dezember 1965: Joachim Schobeß (rechts) neben dem Generaldirekter der Deutschen Staatsbibliothek Berlin (Ost) Horst Kunze, der Fontane-Autographe der Staatsbibliothek als Dauerleihgabe an das Theodor-Fontane-Archiv in der Brandenburgischen Landes- und Hochschulbibliothek Potsdam an dessen Leiter Heino Brandes übergibt (links).
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Titelblatt des 1. Hefts der Fontane Blätter 1965

 

Dass man anfangs nur an die Publikation von im Freundeskreis gehaltenen Vorträgen sowie von Mitteilungen aus dem Archiv dachte, macht ein Blick auf das erste, Fontane Blätter genannte Heft deutlich: Anlässlich des 30. Archivgeburtstags 1965 in einer Auflage von 1000 Exemplaren erschienen – 1969 wird die Zahl fester Abonnenten 530 betragen –, entsprach es seinem bescheidenen Blätter-Titel durchaus. Zumindest auf den ersten Blick. Handelt es sich doch um lediglich 23 einbandlose, mit Klammern geheftete Seiten mit nur wenigen Beiträgen. 

Weniger bescheiden, sondern gleich mehrfach kritisch, entpuppt sich ihr Inhalt: ein Essay mit Korrekturen an Fontanes sozial- und wirtschaftshistorischen Beschreibungen im Oderland-Band seiner Wanderungen von Ernst Tietze nebst einer Replik von Frido Metsk sowie – ihnen voran – der ins Auge fallende Aufmacher des Hefts: ein Aufsatz von Peter Wruck »Zum Zeitgeschichtsverständnis von Theodor Fontanes Roman Vor dem Sturm«. So selbstverständlich die Beschäftigung mit Fontanes Debut (1876) heute scheint: Im Kontext der DDR-staatlichen Erbepolitik verstand sich der Abdruck des prominent platzierten Beitrags nicht von selbst. Schließlich erhellte Wruck mit Fontanes Romanerstling einen frühen Abschnitt aus Fontanes Werkbiografie, dessen vaterländisch-preußische Prägungen mit dem in den 1960er-Jahren favorisierten Bild des progressiven Sozialkritikers durchaus nicht konform gingen.

Von der ersten Nummer des Jahres 1965 bis zum soeben erschienenen aktuellen Heft Nr. 119 des Jahres 2025 haben sich die Fontane Blätter – natürlich – nicht nur äußerlich weiterentwickelt und an Umfang zugenommen. Von ihrem Auftrag entfernt haben sie sich nicht: Gegen die Wandlungen staatlicher Zeitläufte, der Wechsel ihrer Herausgeber sowie ihrer Themen, Zugriffe und Methoden sind sie das wichtigste Periodikum der internationalen Fontane-Forschung geblieben: ein privilegierter Ort von Materialien und Editionen von und zu Theodor Fontane und ein Forum für die kritische Reflexion über den Autor, seine Zeit und ZeitgenossInnen und, nicht zuletzt, eine bedeutende wissensgeschichtliche Quelle, für die Fontane-Forschung und über sie hinaus.

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»Fontane Blätter«-Cover im Wandel

Wer ein Exemplar der jüngsten Fontane Blätter in die Hand nimmt, wird ihr erneut verändertes Gewand kaum übersehen können: Präsentiert sich die Nr. 119 doch als umfangreicheres Jahresheft in größerem Format und modernisierter Gestalt, dazu mit verbesserter Lesbarkeit und mit vergrößerter Reichweite in der digitalen Welt: Dem Modell des Diamond Open Access' folgend und in Kooperation mit der Universität Potsdam stehen zusätzlich zu den seit 2019 frei zugänglichen älteren Ausgaben ab sofort alle Hefte, inklusive der neuesten Ausgabe, vollständig und kostenfrei im Internet bereit.

»Fontane Blätter«

Das aktuelle Heft 119 der Fontane Blätter lässt sich hier im PDF herunterladen.

Es ist über den Publikationsserver der Universität Potsdam Publish.UP abrufbar und über das Portal Digitales Brandenburg

Alle Hefte finden Sie auch auf dieser Website

Bild: TFA
Cover mit Inhalt des aktuellen Hefts der »Fontane Blätter«.

Zum 60. Geburtstag gratulieren wir einer Zeitschrift in den besten Jahren, wünschen ihr eine lange Zukunft und laden ein zum Stöbern, Entdecken und Vertiefen – im neuesten Heft ebenso wie in älteren Ausgaben!

Literatur

Theodor Fontane Archiv Potsdam 1935-1995. Berichte, Dokumente, Erinnerungen. Hrsg. von Manfred Horlitz. Berlin 1995. 

Joachim Schobeß: Fontane-Archiv, Fontane-Kreis, Fontane-Blätter. In: Über Bücher, Bibliotheken und Leser. Zentralblatt für Bibliothekswesen, Beiheft 86. Leipzig 1969, S. 160-167.

Joachim Göbel: Dreißig Jahre Fontane Blätter – Erinnerungen an den Beginn eines literarischen Vorhabend. In: Theodor Fontane Archiv Potsdam 1935-1995. Berichte, Dokumente, Erinnerungen. Hrsg. von Manfred Horlitz. Berlin 1995, S. 83-87.

 

Empfohlene Zitierweise:

Maria Brosig: 60 Jahre »Fontane Blätter«. Ein Glückwunsch zum Geburtstag, Blogserie Objekt des Monats. Hrsg. v. Theodor-Fontane-Archiv, 18.12.2025. URL: https://www.fontanearchiv.de/blogbeitrag/2025/12/18/60-jahre-fontane-blaetter