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Vortrag

Thomas Manns doppelter Fontane

Mittwoch, 27. Juni 2018, 19 Uhr

Theodor-Fontane-Archiv | Universität Potsdam, Villa Quandt, Große Weinmeisterstr. 46/47, 14469 Potsdam

Eintritt: € 5,-

 

Am Mittwoch, den 27. Juni 2018, um 19 Uhr ist der Literaturwissenschaftler, Lyriker und langjährige Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Heinrich Detering zu Gast im Theodor-Fontane-Archiv. Im Mittelpunkt seines Vortrags stehen Thomas Manns Essays über Theodor Fontane.

Zweimal ‒ im Abstand von mehr als vierzig Jahren ‒ widmete sich Thomas Mann in Essays dem »alten Fontane«. Indem er dem ersten Essay von 1910 diesen Titel gab, griff er zwar nur eine eigene, wiederholt gebrauchte Formulierung Fontanes auf. Doch mit der Stilisierung Fontanes zum »klassischen Greis« sollte Mann das Bild seines Schriftstellerkollegen für die folgenden Jahrzehnte prägen.

Mit der Wahl des Titels »Noch einmal der alte Fontane« für den zweiten Essay von 1954 verwies der inzwischen ebenfalls alte Thomas Mann nachdrücklich auf seine erste Auseinandersetzung zurück. Gleichwohl findet sich der Wandel seiner politischen Einstellungen in seinem gewandelten Fontane-Bild gespiegelt. Hatte der selbsterklärt »unpolitische« Mann 1910 Fontanes Haltung noch mit dem Ausdruck »Verantwortungsvolle Ungebundenheit« charakterisiert, so stand für ihn 1954 ein anderer Fontane im Vordergrund: einer, der mit schonungsloser Offenheit treffsicher auf die Schwachstellen der Gesellschaft und der herrschenden Eliten zielte.

In seinem Vortrag wird Heinrich Detering von Manns Arbeit mit der Projektionsfigur des »alten Fontane« und von deren politischer Verdoppelung erzählen. Als Mitherausgeber der Großen Kommentierten Frankfurter Ausgabe der Werke Thomas Manns sowie der Großen Brandenburger Ausgabe der Werke Theodor Fontanes ist Heinrich Detering den beiden Autoren des Abends gleichermaßen verbunden.

 

Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Detering © Maren Ermisch

Zahlreiche Briefe Fontanes erworben

Gleich zwei umfangreiche Briefkonvolute Fontanes hat das Theodor-Fontane-Archiv im März 2017 aus Privatbesitz erwerben können. Ein weiterer Brief Fontanes kam als Schenkung ins Archiv. Mit einem Brief Anton von Werners kehrt ein Stück aus dem Vorkriegsbestand ins Archiv zurück. Damit kann das Theodor-Fontane-Archiv seine Sammlung − die weltweit größte Sammlung von Fontane-Briefen − um weitere wertvolle Schreiben ergänzen.

Das erste Konvolut umfasst zehn ausführliche und inhaltsreiche Briefe Fontanes, die an seinen langjährigen Freund, den Fabrikanten und Politiker Friedrich Witte (1829‒1893) gerichtet sind. Fontane und Witte lernten einander 1849 als Angestellte einer Apotheke in Berlin kennen ‒ ein Beruf, den keiner von beiden als seine Berufung betrachtete. Entsprechend forderte Fontane am 1. November 1850 Witte dazu auf, »sich mit gutem Humor in das Unvermeidliche einer pharmaceutischen Schandkneipe […] zu finden«. Durch das gemeinsame Interesse für die Literatur entwickelte sich im Folgenden ein intensiver brieflicher Austausch. Das erworbene Konvolut ergänzt die Witte-Sammlung des Archivs um bedeutende Stücke.

Völlig unbekannt war bislang das zweite Konvolut mit sieben Briefen Fontanes, deren Adressat der Münchner Jurist und Literaturliebhaber Franz Xaver Riss (1869‒1960) ist. Riss schrieb zwischen 1894 und 1898 in verschiedenen süddeutschen Zeitungen über Fontane, wodurch dieser auf ihn aufmerksam wurde. Über die erste dieser Besprechungen urteilte Fontane, er habe »nie was Besseres d.h. das Wesen einer Schriftstellerpersönlichkeit Treffendes gelesen, als diese«. Die Briefe wurden in Heft 102 der Fontane Blätter von Nina Rodenhauser, einer Urenkelin von Riss, veröffentlicht.

Unter den Einzelstücken befindet sich ein Schreiben des Malers und Akademiepräsidenten Anton von Werner (1843‒1915) vom 25. September 1876, verfasst nachdem dieser Fontanes Demissionsschreiben als Erster Sekretär der Königlichen Akademie der Künste erhalten hatte: »Übrigens wünschte ich, daß die Akademie […] auch bald – auf mich selbst verzichten möchte! Seit 3 Tagen bin ich hier, aber noch nicht in mein Atelier, geschweige denn an’s Malen gekommen […].«



Über Erweiterungen unserer Sammlungen informieren wir auch in den Fontane Blättern.

Die laufenden Bibliographien (Primär- und Sekundärliteratur) aus den Heften 53/1992 bis 104/2017 finden Sie hier.