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Vortrag

»Bestsellerautorin um 1900: Gabriele Reuter«

Donnerstag, 27. April 2017, 19.00 Uhr

Theodor-Fontane-Archiv, Villa Quandt, Große Weinmeisterstr. 46/47, Potsdam

Eintritt: € 5,- (freier Eintritt für Mitglieder der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Theodor-Fntane-Archivs e.V.)

Heute weitgehend vergessen, war Gabriele Reuter eine der meistgelesenen Schriftstellerinnen der Wilhelminischen Ära. Am Donnerstag, den 27. April 2017, um 19 Uhr stellt die Weimarer Autorin Annette Seemann im Theodor-Fontane-Archiv ihr kürzlich erschienenes Buch Gabriele Reuter – Leben und Werk einer geborenen Schriftstellerin (1859–1941) vor.

Geboren als Kaufmannstochter in Alexandrien (Ägypten) begann Gabriele Reuter schon früh zu schreiben und zu publizieren. 1895, im selben Jahr wie Fontanes Effi Briest, erschien ihr Roman Aus guter Familie, mit dem ihr der Durchbruch als Autorin gelang. Bis 1931 sollten 28 Auflagen davon veröffentlicht werden. Wie Effi Briest hat auch Reuters Buch die »Leidensgeschichte eines Mädchens« (so der Untertitel des Romans) zum Thema. Anders als Effi Briest, heutzutage ein wiederholt verfilmter Klassiker und gängige Schullektüre, geriet Aus guter Familie fast völlig in Vergessenheit.

Ausgehend vom Vergleich mit Effi Briest stellt Annette Seemann Reuters spezifischen Realismus und ihre Thomas Mann vergleichbare, dennoch unverwechselbare Ironie in den Mittelpunkt. Näher noch als der Vergleich mit Fontane liegt, wie sich herausstellt, der mit Mann, der über Reuter schrieb, sie habe »vor allen übrigen die Sendung des weiblichen Genies in der modernen Literatur erkannt«.

Dr. Annette Seemann, Literaturwissenschaftlerin, Schriftstellerin und Übersetzerin aus dem Französischen und Italienischen, veröffentlichte neben einem Roman zahlreiche weibliche Biografien und Monografien zur Kulturgeschichte Weimars, wo sie seit 2002 lebt.

Gabriele Reuter um 1907 (Ausschnitt) (c) Nicola Perscheid

Zahlreiche Briefe Fontanes erworben

Gleich zwei umfangreiche Briefkonvolute Fontanes hat das Theodor-Fontane-Archiv im März 2017 aus Privatbesitz erwerben können. Ein weiterer Brief Fontanes kam als Schenkung ins Archiv. Mit einem Brief Anton von Werners kehrt ein Stück aus dem Vorkriegsbestand ins Archiv zurück. Damit kann das Theodor-Fontane-Archiv seine Sammlung − die weltweit größte Sammlung von Fontane-Briefen − um weitere wertvolle Schreiben ergänzen.

Das erste Konvolut umfasst zehn ausführliche und inhaltsreiche Briefe Fontanes, die an seinen langjährigen Freund, den Fabrikanten und Politiker Friedrich Witte (1829‒1893) gerichtet sind. Fontane und Witte lernten einander 1849 als Angestellte einer Apotheke in Berlin kennen ‒ ein Beruf, den keiner von beiden als seine Berufung betrachtete. Entsprechend forderte Fontane am 1. November 1850 Witte dazu auf, »sich mit gutem Humor in das Unvermeidliche einer pharmaceutischen Schandkneipe […] zu finden«. Durch das gemeinsame Interesse für die Literatur entwickelte sich im Folgenden ein intensiver brieflicher Austausch. Das erworbene Konvolut ergänzt die Witte-Sammlung des Archivs um bedeutende Stücke.

Völlig unbekannt war bislang das zweite Konvolut mit sieben Briefen Fontanes, deren Adressat der Münchner Jurist und Literaturliebhaber Franz Xaver Riss (1869‒1960) ist. Riss schrieb zwischen 1894 und 1898 in verschiedenen süddeutschen Zeitungen über Fontane, wodurch dieser auf ihn aufmerksam wurde. Über die erste dieser Besprechungen urteilte Fontane, er habe »nie was Besseres d.h. das Wesen einer Schriftstellerpersönlichkeit Treffendes gelesen, als diese«. Die Briefe wurden in Heft 102 der Fontane Blätter von Nina Rodenhauser, einer Urenkelin von Riss, veröffentlicht.

Unter den Einzelstücken befindet sich ein Schreiben des Malers und Akademiepräsidenten Anton von Werner (1843‒1915) vom 25. September 1876, verfasst nachdem dieser Fontanes Demissionsschreiben als Erster Sekretär der Königlichen Akademie der Künste erhalten hatte: »Übrigens wünschte ich, daß die Akademie […] auch bald – auf mich selbst verzichten möchte! Seit 3 Tagen bin ich hier, aber noch nicht in mein Atelier, geschweige denn an’s Malen gekommen […].«