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Vortrag

Mord und Totschlag bei Fontane

Donnerstag, 26. April 2018, 19 Uhr

Theodor-Fontane-Archiv | Universität Potsdam, Villa Quandt, Große Weinmeisterstr. 46/47, 14469 Potsdam

Eintritt: € 5,-

 

Am Donnerstag, den 26. April 2018, um 19 Uhr lädt das Theodor-Fontane-Archiv zur Verbrecherjagd: Die Schriftsteller Frank Goyke und Jan Eik lesen aus Fontane-Krimis.

Auf dem weiten Terrain der Kriminalliteratur hat sich ein neues Untergenre etabliert: der Fontane-Krimi. So liefert in Horst Bosetzkys Unterm Kirschbaum eine von Fontanes Erzählungen den entscheidenden Hinweis, und in Hundstage schickt Frank Goyke Fontane höchstpersönlich bereits zum vierten Mal auf Verbrecherjagd. Grund genug für das Fontane-Archiv, die Ermittlungen aufzunehmen und zwei Krimi-Autoren zu Lesung und Verhör einzuladen.

Einige von Fontanes eigenen Erzählungen dürfen ebenfalls als Kriminalgeschichte gelten ‒ etwa die Novelle Unterm Birnbaum ‒, auch wenn Fontane selbst sie nicht so bezeichnet hätte. Diese Fährte wird Archivleiter Peer Trilcke in seiner Einführung verfolgen.

Frank Goyke wurde bereits für seinen zweiten Roman Grüße vom Boss für den renommierten Krimipreis Glauser nominiert. Sein Buch Dummer Junge, toter Junge wurde mit dem Marlowe der Raymond-Chandler-Gesellschaft für den besten deutschsprachigen Kriminalroman ausgezeichnet.

Jan Eik, der für seinen vielfachen Co-Autor Horst Bosetzky einspringt, der leider erkrankt ist, war bereits im Schriftstellerverband der DDR Gründungsmitglied der Sektion Kriminalliteratur. Neben Krimis verfasste er auch Sachbücher wie Transit in den Tod. Kriminalgeschichten aus der Stasi.

 

Die Autoren Frank Goyke und Jan Eik © privat

Zahlreiche Briefe Fontanes erworben

Gleich zwei umfangreiche Briefkonvolute Fontanes hat das Theodor-Fontane-Archiv im März 2017 aus Privatbesitz erwerben können. Ein weiterer Brief Fontanes kam als Schenkung ins Archiv. Mit einem Brief Anton von Werners kehrt ein Stück aus dem Vorkriegsbestand ins Archiv zurück. Damit kann das Theodor-Fontane-Archiv seine Sammlung − die weltweit größte Sammlung von Fontane-Briefen − um weitere wertvolle Schreiben ergänzen.

Das erste Konvolut umfasst zehn ausführliche und inhaltsreiche Briefe Fontanes, die an seinen langjährigen Freund, den Fabrikanten und Politiker Friedrich Witte (1829‒1893) gerichtet sind. Fontane und Witte lernten einander 1849 als Angestellte einer Apotheke in Berlin kennen ‒ ein Beruf, den keiner von beiden als seine Berufung betrachtete. Entsprechend forderte Fontane am 1. November 1850 Witte dazu auf, »sich mit gutem Humor in das Unvermeidliche einer pharmaceutischen Schandkneipe […] zu finden«. Durch das gemeinsame Interesse für die Literatur entwickelte sich im Folgenden ein intensiver brieflicher Austausch. Das erworbene Konvolut ergänzt die Witte-Sammlung des Archivs um bedeutende Stücke.

Völlig unbekannt war bislang das zweite Konvolut mit sieben Briefen Fontanes, deren Adressat der Münchner Jurist und Literaturliebhaber Franz Xaver Riss (1869‒1960) ist. Riss schrieb zwischen 1894 und 1898 in verschiedenen süddeutschen Zeitungen über Fontane, wodurch dieser auf ihn aufmerksam wurde. Über die erste dieser Besprechungen urteilte Fontane, er habe »nie was Besseres d.h. das Wesen einer Schriftstellerpersönlichkeit Treffendes gelesen, als diese«. Die Briefe wurden in Heft 102 der Fontane Blätter von Nina Rodenhauser, einer Urenkelin von Riss, veröffentlicht.

Unter den Einzelstücken befindet sich ein Schreiben des Malers und Akademiepräsidenten Anton von Werner (1843‒1915) vom 25. September 1876, verfasst nachdem dieser Fontanes Demissionsschreiben als Erster Sekretär der Königlichen Akademie der Künste erhalten hatte: »Übrigens wünschte ich, daß die Akademie […] auch bald – auf mich selbst verzichten möchte! Seit 3 Tagen bin ich hier, aber noch nicht in mein Atelier, geschweige denn an’s Malen gekommen […].«



Über Erweiterungen unserer Sammlungen informieren wir auch in den Fontane Blättern.

Die laufenden Bibliographien (Primär- und Sekundärliteratur) aus den Heften 53/1992 bis 104/2017 finden Sie hier.